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Verwaltungsgemeinschaft Neumarkt-Sankt Veit  |  E-Mail: info@vgnsv.de  |  Online: http://www.neumarkt-sankt-veit.de

Geschichte des Herzoglichen Kastens

Bücherei

Der Herzogliche Kasten diente mehrere Jahrhunderte lang seinem ursprünglichen Zweck als Getreidespeicher, im 19. Jahrhundert als Schranne. Doch wir haben nicht das Glück, ihn in seiner ursprünglichen Form vorzufinden - wie etwa den nur wenig jüngeren, aber unveränderten Kornkasten im benachbarten Mühldorf a. Inn.

Die mehrfachen Umnutzen seit dem letzten Jahrhundert - Brauerei, Maschinenfabrik, Kino mit Wohnung - haben tiefe Spuren mit bedauerlichen Verlusten an alter Bausubstanz hinterlassen. Der Einbau des Kindo 1952 war dabei naturgemäß die umfassendste Maßnahme.

Herstellung eines zweigeschossigen Großraums, dafür Aufhängung der Dachbalkendecke über einen Mittelüberzug mit den Stahlprofilen in den Dachstuhl; Einbau eines Logenbalkons aus Stahlbeton mit in das alte Mauerwerk eingeschlitzten Auflagern und Verankerungen; Türdurchbrüche; Anbau eines zweigeschossigen Foyers mit allen Nebenräumen; Einbau der Eigentümerwohnung am Bordgiebel vom Erd bis zum Dachgeschoß, u.a. mit Ausbau eines Erkers zur Herstellung eines Badezimmers.

Hier ist nebenbei anzumerken, dass die Eingriffe des Kinobaus sich auf das Notwenige beschränkten, wohl schon aus Sparsamkeit. Außerdem ist zu vermerken, dass nach Berichten älterer Neumarkter Bürger das hiesige Kino das schönste weit und breit war, was wir nach unseren Erkenntnissen aus der Bestandsaufnahme nur bestätigen können. Es war in Planungskonzeption, Detail und handwerklicher Ausführung von bester Qualität und enthielt - beachtliche bei einer Kleinstadt im ländlichen Raum - viele typische Merkmale der 50er Jahre: abgehängte Stuckdecke, dekorative Bühneneinfassung, indirekte Beleuchtung, Wandverkleidungen, Warmluftheizung. Unserem Architekturkollegen, dem Neumarkter Baumeister Lorenz Matzinger können wir dafür nur unsere Hochachtung erweisen.

Die wesentlichen Veränderungen müssen aber schon im 19. Jahrhundert mit dem Einzug der Brauereinutzung geschehen sein. Die typische Holzkonstruktion im Erd- und 1. Obergeschoß mit Stützen, Unterzügen und Balkendecken wurde entfernt; es wurden stattdessen massive Wände, im Westteil des Gebäudes auch Gewölbedecken für Lagerräume eingezogen, der Boden wurde um etwa einen halben Meter tiefer gelegt. Bei den Grabungsarbeiten wurden eine Menge Details aus dieser Zeit freigelegt, wie gemauerte und Rohkanäle und dergleichen mehr.

Die mehrfachen Nutzungsänderungen des Hauses spiegelten sich insbesondere in den verschiedenen Fenstern aus den jeweiligen Epochen wieder; sie sind auch heute noch teilweise zu erkennen. So zeigten sich nach der Entfernung der Ausmauerungen wehen der Kinonutzung große Fenster aus der Fabrikzeit, kleinere Fenster aus der Brauereizeit und, soweit noch erhalten, die ursprünglichen kleinen spätgotischen Fenster, alle mit Segmentbögen. Dazukamen die Wohnungsfenster der 50 Jahre. Also hatten sich Fenstertypen aus mindestens vier Epochen angesammelt.

Nach aufwendigen Umbauarbeiten befindet sich nun seit April 1990 die Stadtbücherei in dem Gebäude.

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